UV POP - Motion fanzine

Motion fanzine, 1986

Eine Gitarre, ein Saxophon, Revoxbandmaschinen und ein hagerer junger Mann.
Ein sonnenbrandverheißendes Buchstabenkürzel vor dem PØP, das so ganz und gar nicht zu der blassen und knochigen Erscheinung von John White passen will.
Klänge und Visionen mit einer Ausstrahlung, die trotz der eingesetzten Technik den ´human touch´ nicht vermissen lassen.

Von einer bekannten englischen Musikzeitung wurde U.V. PØP Anfang dieses Jahrzehnts als ´die Ein-Mann-Band der Achtziger´ bezeichnet. Dre lange Jahre mußte John White warten. Jetzt könnte die Prophezeiung an Realität gewinnen. U.V. PØP ist eine erneute Entdeckung wert.

Besagte Einschätzung erschien zu einer Zeit, wo sich John White gerade von Mark Hughes und Phil Shephard, mit denen er 81 die Band I SCREAM BROTHERS formiert hatte, verabschiedete. Nicht unbedingt einsichtig, warum er das tat, denn ihr von den Cabs produzierter Song - Trees Growing Wrong - auf der allerersten PAX Records Compilation kam wirklich gut an. Letzlich fühlte sich John im heimatlichen Doncaster doch sehr gebunden, eingeengt in unzureichende Entwicklungsmöglichkeiten und knüpfte während der Produktion bei Pax neue Kontakte zur Sheffield Szene.

Bei Pax erschien dann 83 auch seine Debüt-Single als U.V. PØP ´No Songs Tomorrow´. In acht verschiedene Hüllen wurde die Platte gesteckt, aber ganz genau weiß das wohl keiner. Auf der A-Seite erzählt John White, zu einer wunderschönen melancholischen Melodie, ein nachhaltiges Kindheitserlebnis, daß seine Einstellung zur Natur sehr geprägt hat. Aus Spaß hatte er mit dem Luftgewehr einen Vogel vom Himmel geschossen, und erst hinterher wurde ihm bewußt, was er damit angerichtet hatte. Dieses Lied findet sich ebenso auf seiner LP wieder, wie auch in neuer Bearbeitung auf einer Benefiz-Compilation für die Animal Liberation Front. ´Just A Game´, die B-Seite, bildet mit seinem unerbitterlichen Saxophon und den monoton nervösen Micky-Maus-Vocals einen denkbar krassen Gegensatz. Und diese Gegensätze, fast möchte ich sagen Widersprüche, finden ihre Reflektion nicht nur in seiner Musik, sondern auch in seiner Art als Musiker. Einerseits der introvertierte Einzelgänger, ein Mann im Schatten, der sich auf der Bühne recht schüchtern dem gleißenden Lichtkegel nähert und andererseits sein Tasten nach Verbindungen, nicht zusehr in Isolation zu geraten, die Bereitschaft, gegenüber Musikerkollegen Verpflichtungen einzugehen.

John White war Gast bei zahllosen Bands, tourte mit Artery durch Italien, spielte an der Seite von Yvonne Pawlwett in ´Shy Tots´ und ist auf der David Harrow LP - The Succession - zu hören. ´No Songs Tomorrow´ brachte John in die Indie-TopTen und führte zu zahlreichen Gig-Angeboten, unter anderem mit Danse Society, Patrik Fitzgerald und auch Culture Club.

Und zwischendurch immer wieder der Rückzug in heimatliche Gefilde, in seine Wohnung, die eher einem komplett ausgestattetem Aufnahmestudio gleicht. Eine Art Lebenserhaltungssystem, das Raum für Regeneration und schöpferisches Arbeiten bietet und auf der anderen Seite die eigene Kontrolle über die U.V. PØP Visionen sicherstellt.

1984 erschien UV POPs erstes Album mit den schon erwähnten Gegensätzlichkeiten. Gefühlvolle, melodische Gitarrenklänge auf der einen, futuristische, bizarre Szenarien auf der B-Seite kippen den Hörer aus dem Gleichgewicht. Und auch hier geht die Natürlichkeit seiner Songs nie wirklich in den Schleiern und dem Geflecht aus Backtapes und vokalen Effekten verloren.

John White ist kein Musiker, der seine Songs vom Fließband schreibt. Für seine Kunst, "Klänge zu verführen", wie er das ausdrückt, nimmt er sich Zeit. 1985 erschien lediglich eine 12" mit dem Titel - Anyone For Me - und zum Jahreswechsel eine dieser Zwitter-EPs (45/33) - Serious -, die er mit Colin Vale und Nort eingespielt hat. UV POPs letzte Platte hinterläßt auf mich allerdings keinen so großartigen Eindruck. Er kann weitaus besser sein. Ich weiß das.

Text: Ruth Lux DG: Andi B.